Christoph Drösser: Wenn die Röcke kürzer werden, wächst die Wirtschaft
Seit mehr als zehn Jahren schreibt Christoph Drösser für die ZEIT eine Kolumne mit dem Titel “Stimmt’s?” in der er für seine Leser moderne Legenden unter die Lupe nimmt. Stimmt es, dass die Rote Farbe im Campari durch gemahlene Läuse entsteht? (Ja!) Hat Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfunden? (Nein!) Helfen Cola und Salzstangen wirklich gegen Magenverstimmung? (Ja!) Und leben beide Teile eines Regenwurms wirklich weiter, wenn man einen halbiert? (Nein!)
Solche und andere, mehr oder weniger weltbewegenden Fragen werden im neuesten Buch der Reihe mit dem schönen Titel “Wenn die Röcke kürzer werden, wächst die Wirtschaft” beantwortet. Ein Best-of der vergangenen Jahre und ein überaus vergnüglicher Streifzug durch die Welt moderner Mythen.
Eier, die man nach dem Kochen abschreckt, lassen sich besser pellen
Stimmt nicht. Die Schälbarkeit des Eis hat nichts mit dem Abschrecken zu tun. Ich habe wieder einmal einen wissenschaftlich völlig unzureichenden Selbstversuch gemacht: zwei Eier aus derselben Packung fünf Minuten gekocht, eines von beiden abgeschreckt – und beide ließen sich gleich gut pellen.
Die wissenschaftliche Begründung liefert Johannes Petersen von der Universität Bochum: Die Schälbarkeit des Eis hängt vom pH-Wert des Eiklars ab. Und der steigt nach dem Legen dadurch, dass Kohlendioxid aus dem Ei entweicht, von etwa 7 auf 9. Wenn das Ei ganz frisch ist, <<pellt man sich tot>>, sagt Petersen – mit und ohne Abschrecken. Wer also die Herstellung eines größeren Eiersalates plane, der solle die Eier im Kühlschrank etwa vier Tage lagern.
Das Einzige, was das Abschrecken bewirkt: Es stoppt den Garvorgang des Eis schneller, als wenn man es abkühlen lässt. Wer sein weiches Ei also präzise <<auf den Punkt>> kochen will, der sollte es abschrecken.
Rowohlt-Verlag; ISBN: 978-3-499-62374-5; Preis: 8,- Euro
Mein Fazit: Lehrreich, unterhaltsam und mit einem Augenzwinkern geschrieben. Sehr lesenswert.




